Kurz gesagt: Teams Direct Routing verbindet Microsoft Teams Phone über einen eigenen, von Microsoft zertifizierten Session Border Controller (SBC) mit deinem Telefonanbieter. Du brauchst dafür Teams-Phone-Lizenzen, eine eigene verifizierte Domain, einen öffentlichen DNS-Eintrag, ein vertrauenswürdiges Zertifikat und passende Firewall-Regeln. Der Aufwand liegt vor allem im Betrieb des SBC, nicht in Teams selbst.
Stand: 03.11.2026
Was ist Teams Direct Routing?
Direct Routing verbindet Teams Phone mit deiner eigenen Telefonie-Infrastruktur. Das Bindeglied ist ein Session Border Controller, den du selbst bereitstellst. Damit kannst du deinen bisherigen Telefonanbieter weiter nutzen, eine bestehende Telefonanlage oder analoge Geräte einbinden und das Routing selbst steuern.
Microsoft nennt Direct Routing als passende Wahl, wenn es eine bestehende Beziehung zum Anbieter gibt, Fremdanlagen oder analoge Geräte angebunden werden müssen, komplexes Routing nötig ist oder mehrere Länder versorgt werden. Direct Routing lässt sich im selben Mandanten mit Calling Plan, Operator Connect und Teams Phone Mobile kombinieren.
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Welche technischen Voraussetzungen gibt es?
Microsoft listet in der Planungsdokumentation diese Bausteine auf:
| Baustein | Anforderung |
|---|---|
| SBC | von Microsoft zertifizierter Session Border Controller |
| Telefonie-Trunks | mindestens ein Trunk zum öffentlichen Telefonnetz, am SBC angeschlossen |
| Microsoft-365-Organisation | Mandant mit den Teams-Benutzern, Benutzer online in Microsoft 365 |
| Domain | verifizierte eigene Domain, nicht *.onmicrosoft.com |
| Öffentliche IP | für Microsoft Teams erreichbar |
| SBC-FQDN und DNS | im Mandanten registriert, mit öffentlichem DNS-Eintrag |
| Zertifikat | vertrauenswürdiges öffentliches Zertifikat für TLS |
| Firewall | Signalisierungs- und Medienports von Microsoft Teams freigegeben |
Welche Lizenzen brauchst du?
Benutzer mit Direct Routing brauchen eine Lizenz für Microsoft Teams und für Teams Phone. Je nach Aufbau können weitere Lizenzen nötig sein. Für Common Area Phones, also gemeinsam genutzte Telefone etwa im Flur oder Besprechungsraum, ist mit Direct Routing keine Calling-Plan-Lizenz nötig. Wichtig: Der Islands-Modus wird mit Direct Routing nicht unterstützt.
Was gilt für Domain und Zertifikat?
Der vollständige Name des SBC muss zu einer verifizierten Domain in deinem Mandanten gehören, zum Beispiel sbc1.firma.de. Die Standard-Domain mit onmicrosoft.com funktioniert nicht. Legst du eine neue Subdomain an, registrierst du sie vor dem Koppeln des SBC in Microsoft 365.
Für das Zertifikat gilt laut Microsoft:
- Den Zertifikatsantrag (CSR) erzeugst du am besten direkt auf dem SBC.
- Der SBC-Name muss als CN oder SAN im Zertifikat stehen.
- Das Zertifikat muss von einer Zertifizierungsstelle aus dem Microsoft Trusted Root Program signiert sein und die Erweiterung Server Authentication enthalten.
- Wildcard-Zertifikate sind erlaubt, wenn sie RFC 2818 entsprechen.
Welche Ports und Adressen musst du freigeben?
Der SBC verbindet sich mit den Microsoft-Zielen sip.pstnhub.microsoft.com, sip2.pstnhub.microsoft.com und sip3.pstnhub.microsoft.com. Für IPv6 gibt es eigene Namen. Fällt eine Region aus, schwenkt der Verkehr automatisch auf die nächste um.
- Signalisierung: SIP über TLS vom SBC zu Microsoft auf Port 5061. In Gegenrichtung nutzt Microsoft den Port, den du am SBC konfigurierst.
- Adressbereiche: 52.112.0.0/14 und 52.120.0.0/14, für IPv6 2603:1063:400::/40. Microsoft weist ausdrücklich darauf hin, alle Teams-Adressbereiche freizugeben, nicht nur die per DNS aufgelösten Adressen.
- Medien: UDP/SRTP in beide Richtungen auf den Ports 3478 bis 3481 und 49152 bis 53247. Microsoft empfiehlt mindestens zwei Medienports je gleichzeitigem Gespräch auf dem SBC.
- Codecs: SILK, G.711, G.722, G.729 und AMR-WB, Letzteres nur ohne Media Bypass.
Wo liegt der eigentliche Aufwand?
Teams selbst ist schnell vorbereitet. Den größten Teil der Arbeit macht der SBC, und das nicht nur einmalig:
- Auswahl und Betrieb des SBC: Microsoft unterstützt Direct Routing nur mit zertifizierten Geräten. Anfragen zu nicht zertifizierten SBCs können abgelehnt werden.
- Zertifikate, DNS und Firewall: Alles muss korrekt eingerichtet sein. Zertifikate laufen ab und müssen rechtzeitig erneuert werden.
- Routing und Wählpläne: Voice-Routing-Richtlinien und Wählpläne müssen angelegt und den Benutzern zugewiesen werden.
- Support-Weg: Bei Störungen ist zuerst der SBC-Hersteller gefragt. Er untersucht und eskaliert bei Bedarf an Microsoft.
- Abnahme: Microsoft empfiehlt zu prüfen, ob der SBC eine gesunde Verbindung meldet, ein- und ausgehende Anrufe funktionieren, Notrufe gehen, der Failover klappt und die Sprachqualität passt.
Für kleinere Firmen ohne Fremdanlage oder besondere Routing-Wünsche ist deshalb zu prüfen, ob ein anderer Weg wie Operator Connect oder eine eigenständige Cloud-Telefonanlage einfacher ist.
So unterstützen wir dich
Wir prüfen mit dir, ob Direct Routing zu deiner Firma passt oder ob ein anderer Weg weniger Aufwand macht, und kümmern uns um Lizenzen, Domain und Firewall. Vor Ort sind wir in Osnabrück und Umgebung, alles andere läuft per Fernwartung. Mehr zu unseren Leistungen rund um Microsoft 365 und Teams.
Häufige Fragen
Brauche ich für Direct Routing einen Calling Plan?
Nein. Benutzer brauchen Microsoft Teams und Teams Phone. Auch Common Area Phones kommen mit Direct Routing ohne Calling-Plan-Lizenz aus.
Kann ich die onmicrosoft.com-Domain für den SBC nutzen?
Nein. Der SBC braucht einen Namen in einer eigenen, im Mandanten verifizierten Domain.
Funktioniert jeder SBC mit Teams?
Microsoft unterstützt Direct Routing nur mit zertifizierten SBCs. Die aktuelle Liste veröffentlicht Microsoft in seiner Dokumentation.
Was passiert, wenn ein Microsoft-Rechenzentrum ausfällt?
Der Verkehr wechselt automatisch auf die zweite und bei Bedarf dritte Region. Ein manueller Eingriff ist nicht nötig.
Quellen
- Plan Direct Routing (Microsoft Learn, abgerufen am 03.11.2026)
