Kurz gesagt: Je gleichzeitigem Gespräch nennen die Anbieter 100 kbit/s (NFON) bis 200 kbit/s (Placetel) im Up- und Download. Die Latenz sollte dauerhaft unter 100 ms liegen, der Paketverlust deutlich unter 1 %. Wichtiger als die reine Bandbreite ist oft ein sauberes lokales Netz: Kabel statt WLAN, Priorisierung der Telefonie und ausreichend Reserven auch zu Spitzenzeiten.
Stand: 03.11.2026
Wie viel Bandbreite braucht ein VoIP-Gespräch?
Die Angaben der Anbieter unterscheiden sich, weil sie unterschiedlich viel Reserve einrechnen:
| Anbieter | Bandbreite je gleichzeitigem Gespräch |
|---|---|
| Placetel | 200 kbit/s im Up- und Downstream |
| NFON | 100 kbit/s |
| peoplefone | etwa 150 Kilobyte permanent für Up- und Download |
Placetel rechnet ein Beispiel vor: Zehn Mitarbeitende, die gleichzeitig telefonieren, brauchen etwa 2 Mbit/s in beide Richtungen nur für die Telefonie. Dazu kommt die Bandbreite für PCs, Surfen, E-Mail und andere Anwendungen. Rechne also mit der Zahl der Gespräche, die zu Spitzenzeiten wirklich gleichzeitig laufen, und plane den Upload genauso sorgfältig wie den Download. Gerade der Upload ist bei vielen Anschlüssen der Engpass.
Für Videotelefonie nennt NFON bis zu 2 Mbit/s je Richtung, für HD-Video mit 1080p reichen in der Regel 1 Mbit/s je Richtung.
Du kommst nicht weiter? Wir übernehmen das für dich, meist per Fernwartung. Ruf an: 0541 507 988 08, schreib uns oder buch ein Erstgespräch.
Welche Latenz und welcher Paketverlust sind in Ordnung?
- Latenz: NFON fordert dauerhaft unter 100 ms, gemessen vom Internetknoten DE-CIX bis zum Endgerät. Placetel schreibt, dass Werte über 100 ms oft zu Verbindungsproblemen, Sprachfehlern und Verzögerungen führen. Satelliten- und Richtfunkverbindungen hält Placetel deshalb für ungeeignet.
- Paketverlust: NFON nennt „deutlich unter 1 %“, peoplefone als Zielwert 0 %.
- Jitter: peoplefone nennt als Grenze 20 ms und als Antwortzeit unter 30 ms.
Diese Werte schwanken über den Tag. Eine einzelne Messung in einer ruhigen Stunde sagt wenig darüber, wie sich die Leitung bei voller Belegung verhält, wenn gleichzeitig telefoniert, gesurft und gesichert wird. Miss deshalb mehrmals und gezielt auch zu den Zeiten, in denen bei euch am meisten los ist. Notiere die Ergebnisse, dann hast du später eine Vergleichsbasis, falls sich Mitarbeitende über die Sprachqualität beschweren.
Checkliste: Leitung und Netzwerk prüfen
- Gleichzeitige Gespräche zählen: Wie viele Telefonate laufen zu Spitzenzeiten gleichzeitig? Multipliziere mit dem Wert deines Anbieters und schlage die übrige Nutzung obendrauf.
- Upload messen: Führe einen Speedtest durch, idealerweise per Kabel und zu verschiedenen Tageszeiten. peoplefone empfiehlt dabei auch auf Paketverluste zu achten.
- Latenz messen: Placetel empfiehlt einen Ping-Test in der Eingabeaufforderung unter Windows oder im Terminal am Mac. Teste gegen den Server deines Anbieters.
- Online-Tests nutzen: Placetel verweist auf Prüfwerkzeuge von Webex, etwa den CScan-Test und ein Netzwerkanforderungs-Tool.
- Kabel statt WLAN: Placetel rät, WLAN und VPN während der Telefonie zu vermeiden. Tischtelefone gehören ans Kabel.
- Verkabelung und Switches prüfen: NFON verlangt eine fachgerechte Installation mit mindestens Full-Duplex, 100-Mbit/s-Switches und Kabeln der Kategorie CAT5e oder besser.
- Telefonie trennen und priorisieren: NFON empfiehlt die Trennung der Telefoniedaten, idealerweise per VLAN. peoplefone rät zu einer reservierten Mindestbandbreite und Priorisierung per QoS oder CoS in den Switches.
- Auslastung im Blick behalten: Das Netz darf laut NFON auch in Spitzenzeiten nicht an seine Grenzen kommen. peoplefone nennt typische Störer: Backups, NAS, WSUS-Server, Streaming, Virenscans und große Dateiübertragungen.
- DHCP richtig einstellen: Laut NFON muss der DHCP-Server den Telefonen eine gültige Konfiguration samt Gateway liefern und darf keine Option 66 verteilen.
- Firewall und SIP ALG: Richte die Firewall-Regeln deines Anbieters ein. Placetel nennt SIP ALG als mögliche Fehlerursache.
Was tun, wenn die Werte nicht reichen?
Wenn die Messungen zeigen, dass die Leitung knapp wird, hast du mehrere Stellschrauben. Am wirksamsten ist meist die Priorisierung: Mit QoS im Router bekommt die Telefonie Vorrang vor Downloads und Backups. Große Datenübertragungen wie Backups in die Cloud lassen sich oft in die Nacht verlegen. Reicht das nicht, ist ein schnellerer Anschluss mit mehr Upload oder eine zweite Leitung sinnvoll. Bei zwei Leitungen achte darauf, dass Signalisierung und Sprache immer über dieselbe Leitung laufen, sonst drohen Tonprobleme.
Im lokalen Netz helfen ein eigenes VLAN für Telefone und bei viel Datenverkehr getrennte Switches für Telefone und PCs, wie NFON es empfiehlt.
So unterstützen wir dich
Bevor wir eine Telefonanlage umstellen, prüfen wir Leitung, Router und Switches und richten VLAN und Priorisierung ein. Das machen wir in Osnabrück und Umgebung vor Ort, Messungen und Konfiguration oft auch per Fernwartung. Mehr zu unseren Leistungen rund um dein Firmennetzwerk.
Häufige Fragen
Wie viel Bandbreite brauchen zehn gleichzeitige Gespräche?
Placetel rechnet mit etwa 2 Mbit/s in beide Richtungen nur für die Telefonie. Dazu kommt die übrige Nutzung.
Ab welcher Latenz wird es kritisch?
Über 100 ms. Ab da führen Verzögerungen laut Placetel oft zu Sprachfehlern und Verbindungsproblemen.
Reicht WLAN für VoIP?
Placetel rät, während der Telefonie auf WLAN zu verzichten. Tischtelefone gehören ans Kabel.
Brauche ich ein eigenes VLAN für Telefone?
Nicht zwingend, aber NFON empfiehlt die Trennung und Priorisierung der Telefoniedaten, idealerweise per VLAN.
Quellen
- Netzwerkkonfiguration (Placetel, abgerufen am 03.11.2026)
- Merkblatt Plug and Play 2.0: Anforderungen an die Internetverbindung (NFON, abgerufen am 03.11.2026)
- Fehlerbehebung (peoplefone, abgerufen am 03.11.2026)
