Warum Server und Arbeitsspeicher gerade so teuer sind

Warum Server und Arbeitsspeicher gerade so teuer sind

Server, Arbeitsspeicher und Festplatten sind derzeit deutlich teurer als in den Jahren zuvor, und die Lieferzeiten sind länger. Der Grund liegt nicht beim Händler und auch nicht bei einem einzelnen Hersteller, sondern in einer Verschiebung am weltweiten Speichermarkt: Der Ausbau von Rechenzentren für künstliche Intelligenz bindet einen großen Teil der Fertigungskapazität. Was dort verbaut wird, fehlt an anderer Stelle. Dieser Beitrag erklärt die Ursachenkette und zeigt, wie Sie Ihre IT-Beschaffung trotzdem planbar halten.

Was gerade am Hardwaremarkt passiert

Wer aktuell ein Angebot für einen neuen Server einholt, erlebt meist drei Dinge auf einmal. Der Preis liegt spürbar über dem, was man aus früheren Projekten kennt. Das Angebot ist deutlich kürzer gültig als üblich, teilweise nur wenige Tage. Und die Lieferzeit ist länger, besonders bei größeren Konfigurationen mit viel Arbeitsspeicher oder vielen Festplatten.

Auffällig ist dabei, dass sich der Preis anders zusammensetzt als früher. Bei vielen aktuellen Angeboten macht der Arbeitsspeicher einen deutlich größeren Anteil am Gesamtpreis aus als noch vor zwei Jahren. Prozessor und Gehäuse sind vergleichsweise stabil geblieben, der Speicher ist der Treiber.

Die Ursachenkette in vier Schritten

Die Entwicklung ist kein Zufall und auch keine kurzfristige Störung. Sie folgt einer nachvollziehbaren Kette:

Erstens: KI-Systeme brauchen einen besonderen Speichertyp. Die Beschleuniger, die in KI-Rechenzentren stecken, nutzen einen eng gestapelten Spezialspeicher. Dieser Speicher verbraucht pro Gigabyte deutlich mehr Fertigungsfläche als der Speicher, der in einem normalen Server steckt. Ein einzelner KI-Beschleuniger trägt zudem eine Speichermenge, für die man früher einen ganzen Serverschrank gebraucht hätte.

Zweitens: Diese Fläche fehlt woanders. Speicherhersteller haben eine begrenzte Fertigungskapazität. Wenn ein wachsender Teil davon auf den Spezialspeicher entfällt, bleibt weniger für die Module übrig, die in Servern, Notebooks und PCs verbaut werden. Das Angebot sinkt, während die Nachfrage aus dem normalen Geschäft unverändert weiterläuft.

Drittens: Große Abnehmer sichern sich das Verbleibende. Betreiber großer Rechenzentren haben sich über mehrjährige Abnahmeverträge abgesichert und damit einen erheblichen Teil der Produktion reserviert. Für den freien Markt, über den Ihr Systemhaus und Ihr Händler einkaufen, bleibt entsprechend weniger übrig. Das erklärt auch, warum Angebote nur noch kurz gültig sind: Der Einkaufspreis ändert sich schneller als früher.

Viertens: Neue Fabriken kommen zu spät. Eine Halbleiterfabrik entsteht nicht in einem Jahr. Die angekündigten zusätzlichen Kapazitäten gehen erst deutlich später in Betrieb, und bis dahin wächst die Nachfrage aus dem KI-Bereich weiter. Das ist der Grund, warum Fachleute hier von einer strukturellen und nicht von einer saisonalen Knappheit sprechen.

Was das für Ihre Beschaffung bedeutet

Die wichtigste Konsequenz ist unbequem: Die gewohnte Planung funktioniert nicht mehr zuverlässig. Ein Budget, das vor zwei Jahren für einen bestimmten Server gereicht hat, reicht heute womöglich nicht mehr für dieselbe Ausstattung. Und ein Angebot, das Sie drei Wochen liegen lassen, ist danach oft nicht mehr gültig.

Gleichzeitig ist Abwarten selten die Lösung. Wer auf sinkende Preise spekuliert, geht eine Wette ein, bei der niemand den Zeitpunkt kennt. Läuft der alte Server ohne Garantie weiter, steigt mit jedem Monat das Risiko eines Ausfalls, und die Kosten eines Betriebsstillstands übersteigen die Preisdifferenz der Hardware in aller Regel deutlich.

Fünf Wege, in diesem Markt sinnvoll zu planen

Vorlauf vergrößern. Was früher vier Wochen vor dem Termin bestellt wurde, braucht heute mehr Zeit. Planen Sie Austausch und Projekte mit deutlich mehr Puffer.

Nach Risiko priorisieren, nicht nach Alter. Ein sechs Jahre alter Server, der eine unkritische Aufgabe erledigt, kann warten. Ein vier Jahre altes System, an dem die gesamte Auftragsabwicklung hängt, sollte vorgezogen werden.

Tatsächliche Auslastung messen. Viele Server werden aus Gewohnheit größer bestellt als nötig. Eine Auswertung über einige Wochen zeigt, was Sie wirklich brauchen. Gerade beim Arbeitsspeicher ist das derzeit der wirksamste Hebel.

Miete gegen Kauf rechnen. Statt einer großen Investition zum aktuellen Marktpreis können Sie Infrastruktur mieten und die Kosten monatlich verteilen. Wie das konkret aussieht, steht auf unserer Seite Cloud-Infrastruktur, und welche Fragen vor der Entscheidung zu klären sind, haben wir im Beitrag Server kaufen oder in die Cloud zusammengefasst.

Bestehende Hardware länger nutzbar halten. Ein sauberes Monitoring, aktuelle Firmware, geprüfte Backups und ein Ersatzteilkonzept holen aus vorhandenen Geräten oft noch ein bis zwei sichere Jahre heraus. Das ist Teil unserer Managed-IT-Betreuung.

Wie lange hält das an?

Darauf gibt es keine belastbare Antwort, und jeder, der Ihnen eine nennt, sollte begründen können, woher sie kommt. Die Einschätzungen in der Branche gehen weit auseinander: Manche Hersteller rechnen mit einer Entspannung, sobald neue Fertigungskapazität ans Netz geht, andere erwarten ein dauerhaft höheres Preisniveau. Für Ihre Planung heißt das vor allem eines: Verlassen Sie sich nicht auf eine Rückkehr zu alten Preisen, sondern rechnen Sie mit dem Markt, wie er heute ist.

Wir prüfen den aktuellen Stand bei jedem Angebot neu und sagen Ihnen offen, wenn eine Beschaffung gerade ungünstig liegt und sich verschieben lässt. Umgekehrt sagen wir auch, wenn Warten teurer wird als Handeln.

Häufige Fragen

Warum sind Server aktuell so viel teurer als früher?

Der Hauptgrund liegt beim Arbeitsspeicher. Der weltweite Ausbau von KI-Rechenzentren bindet einen großen Teil der Fertigungskapazität für Speicherchips. Was für KI-Systeme produziert wird, fehlt bei dem Speicher, der in normalen Servern und Arbeitsplatzrechnern steckt. Dazu kommen längere Lieferzeiten und kürzer gültige Angebote.

Lohnt es sich, mit dem Serverkauf zu warten?

Nur, wenn Ihr aktueller Server noch zuverlässig läuft und unter Wartung steht. Auf einen fallenden Markt zu spekulieren ist riskant, weil niemand den Zeitpunkt kennt. Läuft Ihre Hardware ohne Garantie und ohne Ersatzteilversorgung, ist Warten die teurere Variante, weil ein Ausfall Sie mehr kostet als die Preisdifferenz.

Ist die Cloud dadurch automatisch günstiger?

Nein. Rechenzentren kaufen dieselbe Hardware und geben steigende Kosten weiter. Der Unterschied liegt darin, dass Sie keine große Investition zu einem einzigen Zeitpunkt auslösen und die Leistung später anpassen können. Ob Kauf oder Miete für Sie günstiger ist, lässt sich nur mit Ihren Zahlen beantworten.

Betrifft das auch Notebooks und Arbeitsplatzrechner?

Ja. Arbeitsspeicher steckt in jedem Gerät. Notebooks, Desktop-PCs und auch Netzwerkkomponenten sind betroffen, meist weniger stark als Server mit großen Speicherausbauten, aber spürbar.

Wie planen wir Beschaffung in so einem Markt?

Mit Vorlauf und mit Prioritäten. Geräte, die ohnehin fällig sind, sollten früher bestellt werden als gewohnt. Für den Rest hilft eine Liste, die nach Ausfallrisiko sortiert ist, statt nach Alter. Wir erstellen so eine Liste im Rahmen der Bestandsaufnahme.

Kann man beim Speicherausbau sparen?

Teilweise. Viele Server werden aus Gewohnheit größer bestellt als nötig. Eine Messung der tatsächlichen Auslastung zeigt oft, dass eine Nummer kleiner reicht. Umgekehrt ist zu wenig Speicher teuer, weil Nachrüsten später zu dann gültigen Preisen passiert.

Steht bei Ihnen eine Serverbeschaffung an?

Wir prüfen kostenlos, was Ihre vorhandene Hardware noch leisten kann, was wirklich ersetzt werden muss und ob sich Miete für Sie rechnet.

Jetzt anrufen: 0541 50798808